Ein Löffelchen voll Zucker

Von Verständnislosen und Heiratsverweigerern

„Waaaaaaas? Du bist schwanger? Das ist ja verrückt. OMG. Eeeecht?“

„Ja.“

„Und war das geplant? Wie machst du das mit deinem Studium? Brichst du das ab?

(Ja, klar. Fange dann einfach irgendwann mal noch ein neues an.)

Müsst ihr umziehen? Geht das finanziell?

(Ich stelle mich in Zukunft 8h mit dem Kind auf den Markt und singe Kinderlieder.)“

Vielen Dank auch für die Glückwünsche. So oder so ähnlich liefen erstaunlich viele Gespräche mit Bekannten in den letzten Monaten ab. Auch ein oft gehörter Klassiker:

„Wollt ihr dann jetzt auch heiraten?“

Vorzugsweise von Leuten, die selbst noch nie übers Heiraten nachgedacht haben.

„Nein, wieso sollten wir denn heiraten wollen? Wollten wir noch nie.“

„Ja, aber ein Kind wollt ihr zusammen?“

Spätestens jetzt hat bei mir schon die Schnappatmung eingesetzt und ich überlege angestrengt, wie ich meinen Gesprächspartner unauffällig, doch möglichst schmerzhaft umbringen kann. Was ist das für eine Schlussfolgerung? Wenn man ein Kind hat, muss man verheiratet sein? Es ist 2014. Da ich mir bei all diesen Leuten sicher bin, dass sie eigentlich keine Verfechter der Erst-Heiraten-Dann-Baby-Theorie sind, komm ich nur zu einem Schluss. Sie wollten uns provozieren. So nach dem Motto: „Ach, und ihr glaubt wirklich, ihr bleibt für immer zusammen?“

Der beste von allen war aber der hier:

„Und warum willst du so jung ein Kind, wenn ich fragen darf?“ (Damit mir in Zukunft jemand das Putzen der Wohnung abnimmt.)

Seid ihr alle bescheuert? Ich bin 24. Nicht 14. Bin keine Teenmom, ohne Schulabschluss. Wenn du ihnen sagst, dass es geplant war, rutscht allen erstmal die Kinnlade runter. Ein Ups-Aus-Versehen-Baby unter 25 macht dich zur mutigen Märtyrerin. Ein Oh-Wir-Möchten-So-Gern-Ein-Baby-Baby macht euch beide zu schwachsinnigen, realitätsfernen Spaßbremsen.

Fragt mich doch nicht echt einer:

„Willst du nicht noch ein bisschen was erleben vorher? Was von der Welt sehen und reisen?“

Oooh, das Reisen, jaaaa. Bin die letzten Jahre furchtbar viel verreist. Die ganzen Backpacker-Touren werden mir fehlen. Also echt mal. Erfüllender Urlaub ist für uns ne Woche AI in der Sonne. Hab gehört, man darf Kinder nach Mallorca mitnehmen. Vielleicht irre ich mich aber auch. Ach. Und zum Erleben. Ich möchte mal sehen, was du so Tolles erlebst in deinem aufregenden Party-Leben, was meins dann um Längen übertrifft.

Ich bin 24. Seit ich 16 bin, bin ich nur auf Achse gewesen. Werde ich arg vermissen, 3x die Woche Party in den gleichen schäbigen Clubs mit den gleichen blöden Gesichtern. Ney, ney. Erzählt mir mal nix. Was wir bald erleben, das kannst du nicht toppen mit der Jumbo-Cocktail-Happy-Hour, die wir dann verpassen.

Noch verständnisloser reagieren die Menschen aber beim Mitbewohner. Dass ein weibliches Wesen halt irgendwann den unbändigen Drang verspürt den Mutterinstinkten zu folgen und das ereignisreiche studentische Party-Highlife gegen ein Glucken-Dasein zu tauschen, kann so mancher ja noch verstehen. Wirkönnen ja nix dafür, das sind die Hormone. Dass aber ein 24-jähriger Bursche, also in der Blüte seiner Jugend und im besten Alter wirklich ein Kind will, das kann kaum einer glauben. Warum sollte er das auch wollen? Männer wollen keine Kinder, keine feste Bindung. Erst dann,wenn sie „sich die Hörner abgestoßen haben“. So mit 35. Oder auch erst mit 40. Aber doch. Meiner wollte das. Verrückter Kerl, echt mal. Ich habe ernsthaft Sachen gehört, wie:

„Und was sagt Hans-Peter dazu?“ (Nein, er heißt nicht wirklich so.)

Ääääh, bitte was? Denken die, ich bin nackig über ne Wiese gerannt und bin deshalb schwanger?

Leute, Leute. Es soll sowas geben… Dass zwei Menschen sich ganz gut leiden können. Und dann gern jemanden drittes hätten, den sie sogar fast noch besser leiden können. Einfach so. Weil sie es gern möchten. Warum muss das begründet werden? Richtig, muss es nicht.

Es gibt ganz schön viele Menschen, die ich seit meiner Schwangerschaft in einem anderen Licht sehe. Ich hab nicht vor, mein Leben aufzugeben. Man kann auch mit Kind Spaß haben. Vielleicht sogar manchmal mehr, als ohne. Wir freuen uns drauf. Und irgendwann trinken wir auch wieder Jumbo-Cocktails. Könnt ihr glauben!

Ich drück euch, ihr Pupsnasen.
Eure Maria

11 Comments

  1. hach, du schreibst so herrlich 🙂 aber an einer Stelle musste ich besonders grinsen: mein Freund heißt Hans-Peter. echt. wirklich jetzt. wie sein Uropa und sein Opa und sein Vater. er ist 22 und ganz normal! weitestgehend 😉 und leider fragen manchmal echt Leute ob er wirklich so heißt 😉

  2. Hello! Bin über IG auf Deinen Blog gestossen und grad hängengeblieben. Ich muss etwas schmunzeln, ich war 26 beim ersten Kind, komplett ungeplant mitten in mein / unser Leben. 10 Jahre später kann ich sagen: alles tutti, einige Tiefpunkte mit viel Schnappatmung gehören dazu aber bis jetzt war es ein sehr spannendes und tolles Kapitel in meinem Leben. Von daher – Wege gibt es immer – auch unverheiratet (mir schwoll auch permanent der Hals bei der frage….)… in diesem Sinne – wie ich es immer zu sagen pflege: allet wird jut.

  3. Du sagst es.. ich bin jetzt doch ein klein bisschen jünger wie du (nicht viel) aber die meisten sind doch eher geschockt…bei uns war es geplant für nächstes jahr aber hey, jetzt ists halt so…. wir hatten halt vor vorher zu heiraten, wird jetzt nix draus aber mit würmchen wirds die hochzeit bestimmt noch schöner!
    alle denken immer nur weil man eltern wird, hört das leben auf… ich frag mich ob alle die das denken in ihrem leben, so wie es jetzt ist glücklich sind (jedes wochenende blackouts und ständig pleite)…
    du sprichst mir echt aus der seele…

  4. Aiaiai, dieser Blog hat mir definitiv den Tag versüßt. Das ist, als würde ich meine Gedanken lesen. Ich bin zwar nicht schwanger, aber ich möchte es gerne bald sein. Ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit. Will danach irgendwann ins Referendariat und Lehrerin werden. Und muss mir in diversen Gesprächen mit meiner besten Freundin anhören 'Ja aber du willst ein Kind, ohne einen festen Job? Hast du genug Geld?' – nun, es ist ja nicht so, als würde mein Freund nicht einen festen Job haben. Zu jung fühle ich mich auch nicht, ich bin 24 und wollte immer eine 'junge' Mutter sein. Wie du schon sagtest, 24 ist nicht 14! Und heiraten will ich auch vorher nicht. Erst heute habe ich zwei Kommilitonen von der Schwangerschaft einer Dozentin erzählt und bevor 'Oooh wie toll!' gejubelt wurde, kam erst die Frage 'Ist die denn verheiratet?'. Äh nein? Muss man das um schwanger zu sein? War mir jetzt nicht bewusst. Vielleicht hab ich da bisher was verpasst. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich noch nicht schwanger bin. Einfach, weil wir noch nicht geheiratet haben. Das wird es sein!
    Und zu dem Punkt mit dem Leben genießen. Es ist zwar mit Sicherheit komplett anders ein Kind zu haben, als man es sich vorstellt, aber so oder so wird es wunderschön sein. Klar ist das auch mit viel Stress verbunden, aber es ist ja nicht so, als könnte man sein Leben nur genießen wenn man jedes Wochenende feiern geht und den Sonntag auf dem Sofa verbringt. Das kann ich auch ohne feiern.. also den Sonntag auf dem Sofa verbringen. Und mein Leben genießen umso mehr, weil es mir im Gegensatz zu früher Sonntags sogar gut geht!
    Ja auch das Reisen ist eine Sache, die einem dann öfter an den Kopf geworfen wird, auch Freunden die schon ein Baby haben. Was sollte einen daran hindern? In Hostels für 3 Euro die Nacht möchte ich sowieso nicht schlafen, ob mit Kind oder ohne. Und Kleinkinder fliegen doch bis zu einem bestimmten Alter sogar umsonst. Warum sollte also mein Kind nicht die Welt sehen?
    Ich kann das also sehr gut verstehen, dass man mit 24 ein Baby haben möchte. Und allen Gegnern kann man nur sagen: was gibt es denn schöneres als einen Menschen zu haben, der halb du selbst und halb dein Lieblingsmensch ist, in den man seine ganze Liebe stecken kann?

  5. Liebe Maria,
    Ich weiß das ist schon ein sehr alter Blogpost! Aber für mich ist das Thema gerade so aktuell und ich musste richtig anfangen zu lachen als ich deinen Beitrag gelesen habe. Eigentlich ist es nicht lustig, aber du hast es so toll geschrieben. Und es hat mich gerade richtig befreit deine Worte zu lesen. Nun habe ich den Mut auch darüber zu schreiben. Danke.
    Liebe Grüße,
    Avesta

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