Ein Löffelchen voll Zucker

Von der Lotterliese zur #sexyhousewife

Ich war früher eine richtige Schlumperliese. Mein Zimmer sah aus, als würde ne Prinzessin drin wohnen, der das Personal weggelaufen ist. Rosa, Glitzer-Glitzer, Himmelbett – aber alles vollgemüllt. Ich habe 2x im Jahr gründlich geputzt. Anfang Dezember und im Frühjahr. Dann musste ich aber die Staubschicht mit dem Staubsauger von den Schränken holen, so dick war die.

Meine Mutter war da eisig, die meinte, ich wär alt genug und sie könnte ja die Tür zu machen und müsste das Elend nicht sehen. Backen und kochen fand ich auch blöd. Mutti hat so, als ich 12,13 war damit angefangen, mich jedes Mal in die Küche zu zitieren, wenn sie gekocht hat. Ich sollte mir angucken, wie es geht, denn Frauen müssen kochen können. „Pffff“, dachte ich mir, „ich muss nicht kochen können, ich mach Karriere, oder werd reich oder Prinzessin, oder Partygörl. Kinder krieg ich erst mit 40, bis dahin lern ich das schon noch.“

Als ich 2009 angefangen hab zu studieren (und plötzlich vergleichsweise seeeehr viel Freizeit hatte), ging dann der elendige Cupcake-Hype los. Überall waren die Dinger drauf. Aber zu kaufen gabs das hier natürlich nirgendwo. Also dacht ich mir, gut so schwer kann das nicht sein. Hmm, naja. Der erste Versuch sah aus wie geronnene, rosa Pampe auf zu klein geratenen Muffins. Also es sah ehrlich so richtig scheiße aus. Und sowas kann ich ja gar nicht ab. „Hier ich hab Cupcakes gebacken, sehen kacke aus, schmecken aber gut.“ Nononono. Was für eine furchtbare Aussage. Das bin ich nicht. Ich will Lob und Anerkennung für meine Leistungen. Am liebsten einen Ritterschlag plus Blumenstrauß. Auch heute noch werfe ich misslungene Backwerke eher weg, als dass ich mir die Blöße gebe, sie trotzdem zu servieren und mich für die Unansehnlichkeit entschuldigen zu müssen. (Meine Geburtstagstorte dieses Jahr habe ich kurz vor Fertigstellung mit beiden Fäusten zu Brei verarbeitet, weil das Frischkäsefrosting nicht richtig fest wurde. Wenn man gründlich sucht, findet man bestimmt noch irgendwo kleine Stücke Karottenkuchen in der Küche. Erst letzte Woche hab ich ein kleines Beweisstück im Vorhang entdeckt.)

Ich habe also weiter geübt. Backen für die Ehre. Täglich irgendwas gebacken, meine Familie gemästet, tausend schlecht synchronisierte YouTube-Tutorials zu verschiedenen Spritz-Techniken angeguckt und angefangen haufenweise Backzubehör zu horten. Wenn schon, denn schon. Immer klotzen, nicht kleckern. Ich hab schon immer nen Hang zum Übertreiben gehabt. Der Rest blieb aber ramschig. Nix Bree van de Kamp oder Martha Stewart. Eher so backende Partymaus. Irgendwann kam dann das Kochen dazu. Ich habe meiner Mutter öfter mal eine Mahlzeit in der Woche abgenommen, bis ich dann langsam aber sicher versucht habe, die Küchenherrschaft an mich zu reißen und sie meinem harten Regiment zu unterwerfen. (Hat nie geklappt, die Frau schneidet Tomaten für den Salat immer noch so groß und ungleichmäßig, dass ich a) eine Kiefersperre bekomme und b) der Monk in mir nervöses Augenzucken bekommt.)

Und irgendwann. Ganz leise und unerwartet schlich sich auch noch der Putzfimmel ein. Das war dann auch der Moment, als meine Eltern anfingen, sich mit dem Gedanken meines Auszugs anzufreunden. Ich kann euch nicht erklären, wie das passiert ist. Aber ich werde mittlerweile wirklich sehr, sehr böse, wenn jemand sein Zeug rumliegen lässt. Ich bekomme bei Parties Beklemmungen, wenn tausend schmutzige Gläser und leere Flaschen auf dem Tisch stehen. Letztes Silvester habe ich zwischendurch erstmal schnell aufgeräumt. Also alle Gläser ausgetauscht und den Dreck weggeräumt. Und ich war nicht nüchtern! Aber so ein pekiges Weinglas voll mit Fettfingern und Lippenstiftrand? Da ist nun wirklich nichts Feierliches dran.

Seit wir nun in unserer gemeinsamen Wohnung wohnen, führt der Mitbewohner ein hartes Leben. 1x die Woche wird alles grundgereinigt (Ich mache das nicht allein. Ich bin eine böse Frau.) und es wird auch nix rumliegen gelassen. Es gab Situationen, da hat er mir die Pest an den Hals gewünscht und meine psychische Gesundheit inklusive Zurechnungsfähigkeit lautstark angezweifelt. Aaaaber: Ich glaube, er findet es ordentlich und sauber auch ganz nett. Und dass jeden Abend was warmes auf dem Tisch steht, sowieso. Wenn ich dabei noch stets perfekt frisiert und adrett gekleidet  wie Bree van de Kamp wär, wär er bestimmt noch ein bisschen glücklicher. Aber mein #sexyhousewife-Dasein ähnelt im visuellen Bereich eher Frau Flodder. Ich hab immer irgendwo Flecken. Was ich gebacken oder gekocht hab, kann man immer anhand meiner Jogginghose oder Hausjacke herausfinden. Wenn hier mal plötzlich der Postmann klingelt, gerate ich schnell in Panik. Mit Tomatenflecken auf allen Kleidungsstücken, ungeschminkt und mit Zottelfrisur die Tür zu öffnen, ist eine Situation von der ich nachts schlecht träume. Aber wenigstens riecht’s meistens nach Kuchen.Und deshalb was dran ändern? No way.Jetzt wisst ihr also, wir man eine #sexyhousewife wird. Oder auch nicht.

Einen schönen Abend euch noch.
Eure Maria.

10 Comments

  1. Mal wieder herrlich geschrieben und dich selbst beschrieben. Da findet man sich selbst ein bisschen wieder :-))) bleib so wie du bist und einen schönen abend dir, der murmel und dem mitbewohner ♥

  2. Liebe Maria! Danke für deine tollen Beiträge, ich liebe sie einfach und mein Liebster guckt mich immer ganz verdattert an wenn ich lachen auf der Couch sitze und mich gar nicht mehr einkriegen!
    Viele liebe Grüße Anja

  3. Gelesen und gelacht! Herrlich. Wie bei mir. Und jetzt bin ich 2 fache Mama, vollzeitkarrierefrau, dennoch Hausfrau, Putze, Koch usw. LG Carina

  4. Liebe Maria / Doni-Verrückte.

    Ich habe deinen instagram account heute durch zufall entdeckt & habe ungelogen eine halbe stunde damit verbracht mir die meisten (wenn nicht alle) deiner bilder anzusehen und bei der texten zu schmunzeln. okay, manchmal musste ich auch lachen, was mir viele seltsame blicke fremder menschen in der stadt eingebracht hat. aber das verkrafte ich. jetzt habe ich deinen blog entdeckt und bin fast noch verliebter als in deinen insta. ich bin nicht schwanger. ich bin keine werdende mutter. ich bin überhaupt keine mutter und ich habe auch keinerlei housewife fähigkeiten. aber dein blog, dein insta & einfach deine sarkastische, symphatische art bringen mich dazu jedes mal zu lächeln, wenn ich etwas von dir lese. wollte dir das nur mal schnell sagen. "schnell" … du bist toll. & ich weiß ja, dass du dich eh nicht von griesgrämigen mitmenschen die laune vermiesen lässt, aber noch mal von einer 19 jährigen unbekannten: du bist toll. bleib wie du bist.

    so. und jetzt ist schluss mit geschleime. ich ess jetzt n doni.

  5. Ja so eine kleine Wendung hatte ich in meinem Leben auch! 🙂
    Ich musste nie, bis ich meine Wohnung hatte. Von da an sollte alles perfekt sein und ich wollte was ordentliches Kochen für das Männlein. Nicht das er noch sagt "bei Muddi schmeckts viel besser"! Tzzz…
    LG Anna

  6. Liebe Maria,
    du sprichst mir aus der Seele. Ich war früher auch so. Kochen? Total überbewertet, gibt doch Pommes, Pizza & Mäci. Den Putzfimmel meiner Eltern fand ich auch immer mega nervig und jetzt? krieg ich die Krise wenn nicht alles an seinem Platz steht oder wir Besuch haben und die Damen ihre Handtaschen in jeder Ecke liegen haben. Danke, dass du so normal bist 🙂

  7. Liebe Maria,

    ich finde deinen Blog wirklich toll. Aber das Rätsel um den "Mitbewohner" konnte ich noch nicht lösen. Dein Freund? Dein Mann? Es macht mich schier verrückt! Bitte um Aufklärung 😀

    Liebe Grüße!

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