2 schlaflose Jahre. Ein Rückblick.

Als wir gestern Abend auf der Couch saßen, meinte der Mitbewohner zu mir: „Maria. 2 Jahre und 2 Monate. 2 Jahre und 2 Monate haben wir nicht geschlafen. Und jetzt legen wir uns gleich ins Bett und wachen erst wieder auf, wenn der Wecker klingelt. Ist das nicht irre?“ Ja, das ist irre. Und ich bin nach diesen 2 Jahren auch ein bisschen irre.
Aber fangen wir von vorn an.In den ersten Wochen ihres Lebens schlief Fräulein Schimmerschuh vorbildlich 4 Stunden am Stück als hätte sie in meinem Bauch einen gruseligen Ratgeber zum Thema Babyschlaf gelesen. Auch tagsüber schlief sie eigentlich immer. Bis sie ca. 15 Wochen alt war. Dann drehte sich der Wind. Oder unsere Schonfrist lief ab. Who knows. Von diesem Tag an, sollte ich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, 2 Jahre lang nicht mehr länger als 2h am Stück schlafen.

Ich stillte sie ein Jahr. Und dieses Jahr war das bisher härteste in meinem Leben. Sie wachte jede Nacht zwischen 10 und 12x auf, um zu stillen. Sie schlief in meinem Arm, aber Selbstbedienung war nicht so ihr Ding. Ich war jedes Mal wach. Es gab unzählige Tage, an denen ich morgens heulend im Bett saß. Hätte ich zu dieser Zeit nicht eine ganz besondere Frau an meiner Seite gehabt, die ein gleichaltes, gleich schlecht schlafendes Baby zu Hause hatte, wär ich durchgedreht. Wir haben uns gegenseitig unheimlich viel Kraft gegeben. Zusammen geweint. Zusammen gelacht. Und zusammen ALLES Erdenkliche versucht, um die Situation zu verändern. Wir haben unsere dunkelsten Gedanken geteilt, ja auch über Schlaftrainings diskutiert. Und wir haben uns gemeinsam vehement dagegen entschieden und uns schließlich gemeinsam mit der Situation abgefunden. Das war der Tag, ab dem sich alles veränderte. Wir hatten akzeptiert, dass wir es nicht ändern konnten. Dass unsere Kinder einfach so waren (und manchmal noch sind). Sie schliefen schlecht. Und das hatte nichts mit uns zu tun. Sie waren unruhig. Fanden nicht allein in den Schlaf. Und sie weinten viel. Und es machte uns fertig. Und wütend. Aber so war es. Und als wir das akzeptiert hatten, ging es uns besser. Ich erinnere mich so gern an diesen Sommer im Jahr 2015 zurück. Wir hatten so viel Spaß, obwohl wir kaum die Augen offen halten konnten.

Für Menschen ohne (schlechtschlafende) Kinder mag das hier verrückt klingen. Aber über einen so langen Zeitraum immer wieder geweckt zu werden sobald man eingeschlafen ist, kann man mit körperlichen Schmerzen vergleichen. Das ist Folter, das macht dich wirklich auf Dauer verrückt. Deshalb fieberten wir gemeinsam auf den ersten Geburtstag hin. Sagten doch immer alle, danach würde es garantiert besser werden. Ha! Als wir darüber kürzlich gesprochen haben, haben wir uns fast totgelacht. Wir haben das wirklich geglaubt! 😀

Nach dem ersten Geburtstag habe ich abgestillt. Mit großer Hoffnung endlich den langersehnten Schlaf zu finden. Das Abstillen war kein Problem, sie bekam statt Muttermilch nun eine Flasche mit Pre und sie akzeptierte diese wohlwollend. Das Familienbett behielten wir bei – für sie änderte sich also nicht viel. Und tatsächlich schlief sie besser. Wachte nur noch 4-5x auf. Bis sie das erste Mal krank wurde. Da ging es wieder von vorn los. Und dann kam ein Zahn. Und noch einer. Und noch 12 andere. Diese verfluchten Zähne haben uns das zweite Lebensjahr wirklich so richtig versüßt. Jeder Zahn bedeutete hier 1-2 Wochen nächtlicher Katastrophen und als der letzte vor 4 Wochen durchgebrochen war, habe ich vor Freude geweint. Bis dahin trank der Schimmerschuh nachts immer noch (viel zu viel) Wasser aus der Nuckelflasche und wachte dementsprechend häufig auf, um ein wenig zu trinken. Wir vermuteten schon länger, dass das Flaschennuckeln ihre Einschlafstrategie wäre. Das heißt, wenn sie sich umdrehte, oder auch nur eine Sekunde wach war, forderte sie die Flasche ein. Sie schlief nie von allein wieder ein. Eines Abends entschied der Mitbewohner, dass es keine Flaschen mehr gäbe. Es dauerte zweieinhalb Nächte, in denen sie nicht weinte, aber wach war. Einfach wach, stundenlang. In denen wir für sie sangen, ihr vorlasen und ihr immer wieder erklärten, dass sie so viel Wasser trinken dürfe, wie sie wolle, aber eben aus einem Becher. Nach diesen finalen Nächten war der Spuk vorbei. Irgendwann schlief sie von allein wieder ein. Und beinahe zur gleichen Zeit brach der letzte Zahn durch. Und seitdem schläft sie durch. Also fast. 1-2x kurz in den Arm kuscheln zählt nicht. Das machen wir ja auch. Oh Gott, ich bin soooo so froh.

Also ihr lieben, schlaflosen Mamis. Es wird besser. Früher oder später 😉

Alles Liebe und habt es fein!

Eure Maria

9 Comments

  1. Das macht mir ja Hoffnung. Irgendwann. Mit 8 Monaten hier kein Zahn in Sicht, mit Stillen mag ich noch nicht aufhören und an seinem abendlichen Milch Junkie verhalten seh ich – er auch nicht. Also PARTY HARD bis er alle Zähne hat 😉😆 LG macht weiter so , ich find euch toll ❤

  2. Du hast meinen größten Respekt, liebe Maria! ❤️
    Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein Mensch es durchhält, über 2 Jahre lang so wenig zu schlafen. Da hat sich die Natur bestimmt was ausgedacht, dass Mamis (und Papis) das schaffen. Anders kann ich mir das nicht erklären…!!

  3. Liebe Maria, ich kann dich sooo gut verstehen, habe hier eine ähnlich schlechte Schläferin, sie wird nächsten Monat zwei und bis kurz nach dem ersten Geburtstag hatten wir auch Nächste in denen sie halbstündlich bis stündlich gestillt werden wollte. Wir haben auch vieles probiert, und irgendwann ist man, wie du schreibst, an dem Punkt wo man es einfach akzeptiert, weil man keine Kraft mehr hat die Enttäuschung hinzunehmen weil irgendeine vermeintliche Wunder-Schlafmethode beim eigenen Kind natürlich nicht funktionierte. Ab dem Zeitpunkt wurde es auch bei uns wesentlich besser. Mittlerweile schläft sie in Ihrem Zimmer alleine ein.
    Es ist verrückt was ein Mensch (eine Mutter bzw. Eltern!!) aushalten kann, und trotzdem sind es rückblickend auch Erfahrungen die dazu gehören. Klar man hätte auch drauf verzichten können, aber meine Hebamme hat immer gesagt jeder bekommt das Kind was er aushält und man wächst mit seinen Aufgaben.
    Alles Liebe für euch und weiterhin erholsame Nächte. Ilona und Hanna

  4. Hallo Maria, Danke für diesen tollen Beitrag. Bei uns ist es so ähnlich und die Maus ist schon 1 1/2 Jahre. Angefangen hat es bei uns auch mit den Zähnen seit Juli und ihre Milch möchte sie auch immer noch. Tee oder Wasser werden nicht akzeptiert da läuft sie selbst zur Küche und fordert lauthals ihre Milch.
    Ich selbst als Erzieherin hatte mir das theoretisch alles viel einfacher vorgestellt leider sieht es in der Praxis ganz anders aus.
    Du machst mir aber doch Hoffnungen denn vielleicht hört der Spuck nach den Zähnen endlich auf. Wir haben noch paar vor uns. Ich hoffe das wir ihr auch endlich die Milch abgewöhnen können ohne das alle Nachbarn geweckt werden.

  5. Liebe Maria,
    ich finde diese Entwicklung beeindruckend und ziehe meinen Hut vor euch und dem, was ihr geleistet habt. Wie du weißt, sind wir mit einer guten Schläferin gesegnet. Ich kann mir diese folterähnlichen Zustände nicht mal ansatzweise vorstellen und freue mich zu lesen, dass es bei euch besser wird. Ich drücke fest die Daumen, dass es so bleibt und sich weiter bessert!
    Liebe Grüße,
    Antonia

  6. Liebe Maria,
    Hut ab, dass Ihr trotzdem auf Euren Bauch gehört habt und nicht dieses furchtbare Schlaftraining mitgemacht habt! Und Hut ab vor Eurer Geduld! Diese Tipps hätte ich vor 6 Hahren gut gebrauchen können😏 Aber jedes Kind ist anders! Ihr macht das klasse👌🏻👌🏻 Ganz liebe Grüsse, tanjazzzzzz

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